Was man vielleicht nicht direkt erwartet: Der Hafen von Sassnitz ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein Ort sich zwischen Tradition und Wandel behauptet. Die klassischen Fischkutter und –massiv unterschätzt– die alten Werftanlagen prägen das Bild, und es ist eben nicht vergleichbar mit mondänen Yachthäfen auf dem Festland. Mich wundert manchmal, dass gerade diese „raue“ Authentizität und die Mischung aus Alt und Neu bei manchen Besuchern kritisch gesehen wird. Ich nehme den Hafen anders wahr… Gerade am frühen Vormittag, wenn die Fischer rausfahren, liegt dieses typische Hafenflair in der Luft. Das lockt übrigens auch viele Fotografen an, was ja für den touristischen Reiz spricht.
Bei den Angeboten im Hafen sehe ich schon, dass die Vielfalt (vor allem außerhalb der Hauptsaison) eingeschränkt ist. Dennoch: Ein paar Cafés, Fisch-Imbisse, Souvenirläden und kleine Läden mit maritimen Artikeln sind ganzjährig offen, auch wenn – wie bereits erwähnt – einige Betreiber in den letzten Jahren gewechselt haben. Parken ist meist möglich, im Sommer muss man halt manchmal etwas suchen. Der neue Fußweg vom Stadtzentrum runter zum Hafen ist eigentlich ideal für Besucher, die nicht mit dem Auto kommen. Bin mir da aber nicht zu 100% sicher, ob wirklich alle Mobilitätsbedürfnisse (Stichwort Barrierefreiheit) schon optimal gelöst sind.
Für Familien oder Technikinteressierte ist das Museumsschiff (U-Boot – die HMS Otus) eine Option, wobei ich die Führung sehr speziell fand. Einige Räume sind wirklich eng und es gibt viele technische Infos, was nicht jedem liegt. Aber wer mal echtes U-Boot-Feeling spüren möchte, wird nicht enttäuscht. Am spannendsten finde ich aber die Spaziergänge entlang der Mole, gerade wenn abends die Sonne untergeht und man auf die offene Ostsee schaut. Die Atmosphäre dabei ist schwer in Worte zu fassen – irgendwo zwischen Melancholie und Urlaubsgefühl. Mein Handy piept gerade – Akku bei 5%. Schnell noch Ladekabel suchen… 🙈
Persönlich sehe ich den Hafen als wichtigen Punkt für den Tourismus auf der Insel. Er bringt Besucher, die auch im Ort übernachten und konsumieren, was für die lokale Wirtschaft essenziell ist. Bedauerlich finde ich nur die aktuellen Diskussionen um das LNG-Terminal in Mukran – die Entwicklung in Richtung Industrialisierung steht oft im direkten Gegensatz zu den Interessen des sanften Tourismus auf Rügen. Wer nach Sassnitz kommt, sucht eben nicht Großindustrie, sondern Natur, Geschichte und den maritimen Charme unserer Region.
Unterm Strich: Wer mit den richtigen Erwartungen kommt und nicht das nächste Shopping-Paradies sucht, dem bietet der Hafen von Sassnitz einen authentischen, unaufgeregten Einblick in das Inselleben. Ich glaube, das macht einen Teil der Faszination aus – und das schätzen die Besucher meist auch, selbst wenn nicht alles perfekt durchgestylt ist. Übrigens, falls jemand Tipps für Fischbrötchen sucht: Die kleinen Buden am Hafen sind manchmal echt besser als die großen Restaurants…
