Jedes Mal, wenn ich auf die Insel komme, ist das wie so ein kleiner Reset-Knopf für den Kopf. Da gibt's dann plötzlich keinen Supermarkt an jeder Ecke, alles geht nen Ticken langsamer, manches ist umständlicher, die Leute reden anders… und du bist gezwungen, dich mal rauszunehmen aus diesem ganzen Gewusel, was man sich so im Alltag selbst baut. Es dauert immer zwei, drei Tage, bis ich wirklich „da“ bin – und genau das macht das Gefühl aus: Erst bist du ein bisschen verloren, und dann merkst du, wie gut das tut. Man muss sich entwöhnen von seinem eigenen Stress. Ist vielleicht jetzt ne blöde Frage, aber kennt das jemand, dass das Gehirn auf Rügen irgendwie erstmal „entwöhnt“ werden muss, bevor es genießen kann?
Und dann kommt irgendwann diese Ruhe – oder eher diese Stille im Kopf –, wenn man am Wasser sitzt (ja, so ein bisschen Klischee, ich weiß), und man plötzlich das Gefühl hat, es ist egal, was man „müsste“. Man muss gar nix. Keine To-Do-Liste, kein Verpflichtungsdruck, selbst das Handy nervt weniger. Das ist so das Gegenteil von Reizüberflutung. Eigentlich fast schon wie ’ne kleine Fastenkur – aber halt für Gedanken…
Faszinierend find ich auch, wie unterschiedlich das alle erleben. Der eine fühlt sich frei, der andere ausgesetzt und wieder jemand empfindet Leere. Vielleicht ist genau DAS das Inselgefühl: Rügen spiegelt einem zurück, was in einem selbst los ist, ob man’s hören will oder nicht… Naja, ihr wisst schon, was ich meine.
